Geld durch Gülle: Verkauf und Handel von Tierfrikalien

Das Geschäft mit dem Dreck klingt zunächst ungewöhnlich und doch ist es absolut profitabel. Fäkalien sind nämlich weit mehr als nur Abfall, der beseitigt gehört. Gülle kann nämlich Energie erzeugen und eignet sich zudem als Düngemittel.

Was in den Niederlanden beginnt, soll schon bald die ganze Welt erobern. Dort nutzt das Unternehmen Delfter die „De Verspillingsfabriek“ (zu Deutsch „Die Verschwendungsfabrik“) um aus Exkrementen Düngemittel und Fäkalien herzustellen. Die Besonderheit daran: Hier kommen auch menschliche Fäkalien in die Verwertung.

Gülle: Wertvoller Sondermüll

Den Kernpunkt des Unternehmens bildet eine eigens entwickelte Methode, um Treibstoffe aus den Exkrementen zu extrahieren. Dies sind organische Stoffe, die als Rohstoffe für andere Produkte dienen können. Der Prozess beginnt mit der Entwässerung von menschlichem Kot, der dann fermentiert wird, um wertvolle Substanzen zu gewinnen. Diese Substanzen können für die Produktion von Biogas und Düngemitteln verwendet werden. Die Vorgehensweise ist sehr ökologisch, da durch die Verwertung menschlicher Fäkalien wertvolle Ressourcen zurückgewonnen werden können und sich damit die Umweltbelastung deutlich reduziert. Abwasser sinnvoll zu verwerten ist ein neuer Ansatz, mit vorhandem Material etwas auf die Beine zu stellen. Zumal Abwasser als problematisch gilt und sehr aufwendig aufbereitet werden muss.

An der Güllebörse steigt die Nachfrage

Derweil bleibt den Landwirten hierzulande der Kontakt zur Güllebörse. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eine Art Marktplatz, an der online sowohl tierische Excremente angeboten und natürlich auch welche käuflich erworben werden können. Mit schwankendem Tagespreis! Der richtet sich nach vorhandenem Angebot, Qualiät und Lieferweg. Eine praktische und lukrative Möglichkeit für beide Seiten, denn als Düngemittel ist Gülle heiß begehrt. Nicht jeder landwirtschaftliche Betrieb stellt ausreichend eigene Gülle her, deshalb kaufen Bauern diese auf. Gülle kommt auch nicht immer im Rohzustand am Verwendungsort an, sondern wird verdünnt, um sie spritzfähiger zu machen. Das erleichtert die Verteilung auf dem Feld. Hier setzt die Börse an, um Händler und Käufer schnell zusammenzubringen. Ein Markt mit hohem Potenzial und steigender Nachfrage!

Bildurheber: IgorVetushko

Unkraut-Roboter: Automatisierung gegen den ungeliebten Wildwuchs

Studierende aus Zürich haben dem Einsatz von Herbiziden den Kampf angesagt. Mit ihrer Neuentwicklung, einem Roboter, wollen sie eine effektive Alternative zu den Unkrautvernichtern bieten. Der Roboter soll selbstständig den Wildwuchs entfernen.

Landwirte könnten vielleicht schon bald aufatmen. Der Einsatz von Herbiziden könnte schon bald von einem Roboter abgelöst werden. Ein paar findige Studenten haben ein interessantes Gefährt entwickelt, das Unkraut auf seine ganz eigene Weise aus dem Weg räumt.

Rowesys gegen Herbizide

Ein paar findige Köpfe der Technischen Hochschule Zürich haben mit Rowesys einen interessanten Roboter entwickelt. Rowesys steht für Robotic Weeding System. Er soll in der Lage sein, Unkraut auf den Ackerflächen zu erkennen und dieses schließlich automatisch samt Wurzel aus dem Boden zu holen. Das futuristisch anmutende Gefährt ist 1,30 Meter hoch und 1,50 Meter lang. Es ist einen Meter breit, hat vier Räder und mehrere Kameras, die an unterschiedlichen Positionen platziert sind.
Hauptsächlich soll Rowesys zur Unkrautentfernung auf den Feldern eingesetzt werden. Das ambitionierte Ziel seiner Entwickler besteht darin, den Landwirten eine Lösung aufzuzeigen, die zukünftig zu einem Verzicht auf Herbizide führen soll.

So funktioniert der Unkraut-Roboter

Das silberne Gefährt fährt die einzelnen Ackerreihen ab und erkennt dank Spezialkameras das Unkraut. Während eine Kamera dafür sorgt, dass die Pflanzreihen gehalten werden, sorgt die andere dafür, dass Unkraut von der Nutzpflanze unterschieden wird. Mit Hilfe der vier integrierten Pflugscharen wird in drei bis vier Zentimeter Bodentiefe das Unkraut von der Wurzel getrennt und nach oben befördert. So kann es an der Oberfläche einfach vertrocknen.
Eine der Kameras sorgt dafür, dass der Unkraut-Roboter die Reihen hält, während er sich fortbewegt. Er orientiert sich an den Pflanzen. Bislang wurden einige Testläufe gestartet, die schon ziemlich erfolgreich waren. Dafür sorgte auch der Federungsmechanismus, der eine gleichmäßige Bodenhaftung aller vier Räder gewährleistet. Auch dies unterscheidet den Unkraut-Roboter von anderen Modellen.
Natürlich gibt es noch viel Entwicklungsbedarf. Nicht immer gelingt es dem Rowesys, die Reihen zu 100 Prozent zu halten. Aber dass er ein enormes Potenzial hat, ist unbestritten. Schließlich wurde er in sehr kurzer Zeit entwickelt. Weniger als ein Jahr hat es gedauert, bis die simple Idee zu einem ausgefeilten Roboter geworden ist.
Bildurheber: Fokussiert

Mit Drohnen Unkraut bekämpfen

Unkraut kann die Erträge in der Landwirtschaft stark beeinträchtigen. Deshalb ist es umso wichtiger, ein cleveres Unkrautmanagement zu betreiben. Mit Hilfe von Drohnen können Landwirte auf wichtige Daten zurückgreifen, um ihre Maßnahmen entsprechend anzupassen.

Drohnen kommen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz. Sie sammeln wertvolle Daten aus der Luft und können dazu beitragen, landwirtschaftliche Betriebe zu unterstützen. Vor allem die Unkrautbekämpfung auf den Feldern ist eine große Herausforderung, der sich die Landwirte Jahr für Jahr stellen müssen.

Daten sammeln und reagieren

Jahr für Jahr verändert sich das Wachstum auf den Feldern der Landwirte. Immer wieder müssen geeignete, möglichst umweltfreundliche Mittel gefunden werden, um Unkrautwachstum einzudämmen und damit höchstmögliche Erträge zu erzielen. Da sich die Unkrautarten auch ständig verändern, müssen die eingesetzten Mittel entsprechend gewählt werden. Mit dem Einsatz von Drohnen eröffnen sich für die Landwirte nun ganz neue Möglichkeiten zur Analyse.

Ein neues Forschungsprojekt soll den Landwirten die Arbeit zukünftig erleichtern. Wissenschaftler arbeiten aktiv daran, ein System zu erstellen, das aus den ermittelten Daten der Drohnenflüge genaue Angaben zu den gesichteten Unkrautarten bereitstellt. Außerdem soll das System sofort Lösungsvorschläge zur effektiven Bekämpfung der Unkräuter präsentieren. Dabei soll vor allem auf umweltverträgliche Mittel geachtet werden. So könnte das Unkrautmanagement optimal auf den vorhandenen Unkrautwuchs abgestimmt werden.

Mit Drohnen umfangreiche Datenmengen zur Analyse der Ackerflächen

Die eingesetzten Drohnen liefern hochauflösende Bilder der Ackerflächen. Aus diesen Bildern sollen mit Hilfe der neu ermittelten Methoden genaue Daten zu den Unkrautarten, der Unkrautdichte und zum Gesamtdeckungsgrad bereitgestellt werden. Auf Basis dieses Datenbestandes lässt sich die gesamte Verunkrautung der Ackerflächen genau einschätzen.
Sobald eine Herbizidapplikation erfolgt ist, werden weitere Drohnenflüge unternommen. Auf diese Weise kann der Bekämpfungserfolg genau bestimmt werden. Außerdem wird eventuell auftretendes neues Unkrautwachstum sofort erkannt. Entsprechende Handlungsschritte können unmittelbar eingeleitet werden.

Neben der Datenermittlung zur Verunkrautung der Felder können auch Daten zum Wachstum der Kulturpflanzen aufgezeichnet und analysiert werden. Mit dem Einsatz der Agrar-Drohnen können Unkräuter gezielt und effizient bekämpft werden. Gleichzeitig lassen sich auf diese Weise die Erträge optimieren. Was in Sachen Unkrautvernichtung funktioniert, wird inzwischen auch erfolgreich gegen Schädlingsbefall angewendet.

Bildurheber: rustsleeps

Agroforstwirtschaft – was ist das?

In Zeiten des Klimawandels ist es wichtiger denn je, alternative Methoden für die Landwirtschaft zu nutzen und neue Wege zu beschreiten. Es gilt, optimale Bedingungen zu schaffen, auch wenn länger anhaltende Trockenperioden drohen.

Die Landwirtschaft steht vor einer großen Herausforderung. Sie muss hohe Erträge liefern, trotz stetig schlechter werdenden Wachstumsbedingungen. Mit Hilfe von Agroforstwirtschaft könnte dies gelingen.

Optimale Bedingungen durch veränderte Bepflanzung

Der Klimawandel ist mittlerweile allgegenwärtig. Trockene, heiße Sommer oder extreme Regenfälle machen es den Landwirten schwer, gleichbleibend hohe Erträge zu erzielen. Agroforstwirtschaft könnte zukünftig eine sehr wichtige Rolle bei Ackerbau und Viehzucht spielen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Baum- und Feldbepflanzung. Diese Kombination wird so gestaltet, dass die Pflanzen voneinander profitieren und gemeinsam den klimatischen Veränderungen trotzen können.

Eine typische Agroforstfläche ist häufig so gestaltet, dass ein Ackerstreifen von zwei Baumstreifen gesäumt wird. Das funktioniert mit breiteren Getreideflächen ebenso wie mit schmaleren Gemüsebeeten. Auf diese Weise können sich beide Pflanzarten gegenseitig unterstützen. Durch die Schatten spendenden Bäume verdunstet weniger Wasser auf den Feldern, sodass auch länger anhaltende Trockenheit kaum Schaden verursacht.

Auch für Viehzucht interessant

Die Agroforstwirtschaft eröffnet auch Viehzuchtbetrieben interessante Möglichkeiten. So könnten Ackerflächen von Baumstreifen umgeben sein. Dadurch wäre das Vieh vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt und hätte immer ein schattiges Plätzchen auf der Weide.
Kombinationsmöglichkeiten gibt es viele. Für die Baumbepflanzung eignen sich Walnussbäume oder Obstbäume sehr gut. Aber auch schnell wachsende Pappeln könnten dafür gewählt werden.
Neben der Konservierung von Feuchtigkeit trägt die Agroforstwirtschaft aber auch zum Schutze vor Erosion bei. Denn die Bäume verhindern, dass die fruchtbaren Böden durch Winde abgetragen werden. Hinzu kommen zahlreiche weitere Vorteile. Die Bäume und Sträucher speichern nicht unbeträchtliche Mengen an CO2 und sorgen außerdem dafür, dass weniger Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Für die Landwirte bietet die Agroforstwirtschaft die Möglichkeit, die eigene Produktpalette zu erweitern.
Bislang schrecken die etwas höheren Kosten und der höhere Arbeitsaufwand einige Landwirte von der Umstellung ab. Aber langfristig wird die Agroforstwirtschaft sicherlich kaum zu umgehen sein.
Bildurheber: optikus

PLANTObelly: Grünes Start-up setzt auf smarte Bodenfeuchte-Messung für nachhaltiges Gärtnern.

Mit PLANTObelly der beiden Gründer Bastian Klemke und Christan Hahn ist es problemlos möglich, jederzeit eine Bodenfeuchtemessung durchzuführen, um so bedarfsgerecht zu bewässern. Ein großer Schritt für die Gründer hin zu einer riesigen Ressourceneinsparung für Städte und Gemeinden.

Ein Funknetz der Stadtwerke Lübeck war der Anknüpfungspunkt für eine neuartige Technik, entwickelt von zwei emsigen Gründern. Die hatten das Ziel, die Bewässerung von öffentlichen und privaten Grundstücken effizienter und umweltgerechter zu gestalten. Die Idee ist so einfach wie genial. Ein Sensor wird in den Boden gesetzt und der sendet dann regelmäßig mehrfach pro Tag seine Daten über ein Funknetz oder WLAN an den Besitzer der Grundstücke. So weiß der genau, wann es Zeit für die Bewässerung ist.

Besser verbunden

Gerade im Sommer ist dieses Konzept unersetzlich, denn das verhindert großflächiges Pflanzensterben auf der einen und Überwässerung auf der anderen Seite. Effizient also in zweierlei Hinsicht, speziell für Städte und Gemeinden, denn die kümmern sich ja in der Hauptsache um Parks, Grünanlagen und vieles mehr. Kein Wunder also, dass die Stadtwerke Lübeck gleich mit im Boot saßen als die erste Anlage in Betrieb genommen wurde. Das hatte allerdings einen Haken: die Datenmengen über die weiten Distanzen benötigten viel Energie, deshalb brauchte man eine neue Lösung und die Bestand in einem Pitch mit den Verantwortlichen von LoRaWAN um ganz weg von den schnell überlasteten WLAN-Netzen zu kommen.

Gerecht verteilt mit PLANTObelly

PLANTObelly hat sich seit dem Jahr 2008 bestens etabliert und bietet seine Dienste weit über das Lübecker Stadtgebiet hinaus an. Die Sensoren lassen sich einfach über das Internet bestellen und entsprechend mit dem Netzwerk verbinden. Besonders interessant ist diese Technologie natürlich für große Flächen wie Landwirtschaftsbetriebe und städtische Anlagen. Doch auch die private Nutzung ist durchaus denkbar. Die Kosten halten sich im Rahmen und sind aus Sicht der Umwelt sowieso unbezahlbar.

Bildurheber: nd3000

Xilon: Das Bio-Pflanzenschutzmittel

Bereits im Jahr 2020 wurde Xilon vom internationalen Magazin „Chemical Week“ zu einem der vier besten biologischen Mittel der Welt aufgereiht. Das half ihm auf die Shortlist der „Agrow´s Crop Science Awards“ desselben Jahres.

Doch was macht dieses Pflanzenschutzmittel so besonders? Es handelt sich hierbei um das erste rein biologische Bodenfungizid überhaupt, dessen breit gefächertes Wirkungsspektrum es den Landwirten erlaubt, es auf den unterschiedlichsten Böden einzusetzen. Damit schließt der Hersteller eine wichtige Lücke beim Pflanzenschutz-Management im konventionellen Sektor.

Wie Xilon wirkt

Die Wirkung von Xilon basiert auf dem Wirkstoff T34. Dieser ist lizenziert und stammt von Biocontrol Technologies, einem Uni-Forschungsprojekt. Doch vom Forschungslabor bis hin zur wirklichen Anwendung war es ein weiter Weg, denn es dauert, ehe ein Pflanzenschutzmittel seine Lizenzen erhält. Bei Xilon ist man da schon einen Schritt weiter. Seine ersten Feldversuche durfte es bereits in Osteuropa starten und wird dort bei Sojabohnen, Mais und Sonnenblumen erfolgreich eingesetzt. So zeichnet sich seine positive Wirkweise insbesondere dadurch aus, dass es die Pflanze schon ab der Wurzel gegen Krankheiten wie die gefürchtete Sclerotinia-Infektion kämpft und damit den Befall im Keim erstickt.

Schutz für Wurzeln und Blätter

Zudem bleiben die Pflanzen insgesamt gesünder und sind resistenter gegen Stress. Das fördert das Wachstum und bringt eine gute Ernte auf den Weg. Beim T34 Wirkstoff handelt es sich um einen Pilz, der in der Lage ist, das Immunsystem zu stärken. Als solches kann es nicht nur die Wurzeln, sondern auch die Blätter der Pflanzen schützen, sofern man es spritzen würde. Doch noch sind längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft und Xilon nicht überall in Europa, Afrika und Asien im Einsatz. Doch das kann kommen und wäre auf alle Fälle besser für die Umwelt als viele andere Pflanzenschutzmittel, die mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Bildurheber: Amaviael

Invitro-Fleisch in leeren Ställen?

Eine neue Alternative zu Tierschlachtungen steht in den Schlachtlöchern: In-vitro Fleisch, das aus Tierstammzellen neues Muskelfleisch entstehen lässt. Bis das künstlich gezüchte Fleisch auf den Markt kommt, wird es aber vermutlich noch einige Jahre dauern.

Schon lange boomt der Markt der Fleischalternativen, oft weil sich der Mensch bewusst dazu entscheidet, kein Tier mehr leiden zu sehen. Aber auch aus Kostengründen. Nun öffnet sich der Markt für eine neue Variante, das sogenannte In-vitro Fleisch – auch clean meat genannt.

Keine Schlachtungen mehr durch In-vitro Fleisch

Es gibt ein Startup auf dem Markt, dass mit einer Idee in die Ställe einziehen will, die es Landwirten ermöglicht, statt ein Schwein zu töten, daraus einfach viele Schweine zu machen. Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Das Ziel soll es sein, aus den Stammzellen des Tieres neue Zellen zu züchten. Dabei wird dem Tier Gewebe entnommen, ohne es zu töten. Dazu soll eine algenbasierende Nährstofflösung genutzt werden, die aus den Stammzellen binnen weniger Wochen Muskelfleisch entstehen lassen kann. Und das in einem speziell dafür entworfenen Bioreaktor. Das soll dann mit möglichst wenig Personal passieren und verhindern, dass immer mehr Tiere qualvoll gezüchtet und umgebracht werden müssen.

Noch Jahre bis zur Marktreife

Bis das Ganze wirklich marktreif ist, müssen aber einige Hürden übersprungen werden. Damit dies gelingt, ist die Entwicklung auf einem rasanten Level angekommen. Man möchte damit schlussendlich neue Verbraucher ansprechen. Und zwar diejenigen, die gerne Fleisch essen und das nicht aufgeben wollen, aber dabei trotzdem ihr gutes Gewissen behalten möchten. Ob das In-vitro Fleisch dann letztendlich genauso schmeckt wie echtes Fleisch vom lebenden Tier, ist fraglich, aber wahrscheinlich. Rein wissenschaftlich betrachtet ist auch heute schon eine Lösung möglich. Ethisch vertretbar wäre diese höchstwahrscheinlich ebenso. Erledigt werden soll die komplette Züchtung in Containern oder ehemaligen Ställen, natürlich auf der Basis höchster Hygienestandards.

Lebensmittelindustrie steht schon in den Startlöchern

Das Startup Krüger selbst versteht sich als Gegenentwurf zu der herkömmlichen Stallhaltung von Tieren und möchte eine echte Alternative zu den zahlreichen Fleischersatzprodukten sein, die den Markt überschwemmen und den Unternehmen Millionengewinne in die Taschen spülen. Die Lebensmittelindustrie hat ihr Interesse bereits bekundet. Nun liegt es an den Entwicklern, selbst, die Forschung voranzutreiben und vor allem die notwendigen Genehmigungen einzuholen. Ein langwieriger Prozess.

Bildurheber: lsantilli

AgTech – Was ist das?

Hinter dem Kürzel AgTech versteckt sich die englische Bezeichnung Agricultural Technologie. Das fasst alle technischen Innovationen zusammen, die auf eine digitale, voll vernetzte und datengetriebene Landwirtschaft der Zukunft weisen. Und das in sehr unterschiedlichen Bereichen und Dimensionen.

Bei der Landwirtschaft bleiben die technischen Innovationen nicht stehen. Sie alle fasst die Abkürzung AgTech zusammen. Was sich dahinter verbirgt und welche zukunftsweisenden Ideen dahinterstehen, dazu nun mehr.

Technik bei der Felderwirtschaft

Zunächst geht es um die Bodenbeschaffenheit und damit die Versorgung der Pflanzen, der Grundlage des Lebens und des Auskommens vom Betrieb. Mithilfe von digitalen Schlagdateien können heute sämtliche Werte zu Wetter, – Boden- und Maschinenplattformen nicht nur erhoben, sondern auch ausgewertet werden. Auf dieser Basis lassen sich für den Landwirt dann Rückschlüsse zur Düngung, Bewässerung und vielem mehr ziehen. Das macht die Arbeit nicht nur leichter, sondern auch zuverlässiger. Hierzu ist es als Basis notwendig, viele Daten mit Sensoren und Drohnen zu sammeln, sie mittels spezieller Software in eine Datenbank einzuspeisen und sie auswerten zu lassen. Die sogenannte Big Data ermöglichen eine bestmögliche Entscheidungshilfe in sämtlichen Betriebsprozessen.

Von Melkmaschinen und Futterspendern

Dabei hören die technischen Innovationen aber auf dem Feld nicht auf. Auch im Stall läuft mittlerweile vieles vollautomatisch dank modernster Elektronik. Vom Melken über das Füttern bis hin zur Belüftung der Stallungen ergibt sich eine breite Bandbreite an technischen Möglichkeiten, aus denen der Landwirt schöpfen kann. Das macht die Arbeit leichter und hält das Vieh nicht nur gesund, sondern steigert den Ertrag an Milch und Eiern. Wer Hilfe hat, der braucht weniger Personal, das macht es auch kleinen Betrieben einfacher zu existieren.

Nach der Arbeit kommt die Arbeit, denn dann heißt es durch Computerarbeit den Ertrag von Vieh und Feld zu vermarkten, den Transport zu organisieren und vieles mehr. Es ist also dringend notwendig, die normale Ausbildung zum Landwirt entsprechend den technischen Aspekten auszuweiten, um von AgTech auch zu profitieren.

Bildurheber: VitalikRadko

Viehworld digitalisiert den Tiermarkt

Tiere zu kaufen oder zu verkaufen ist für Landwirte meist mit großem Aufwand verbunden. Sie reisen zu Viehauktionen und setzen auch ihre Tiere großem Stress aus. Um dies zukünftig deutlich einfacher zu gestalten, gibt es nun eine neue App namens Viehworld.

Jeder Ortswechsel ist vor allem für Tiere mit großer Belastung verbunden. Der Stress tut ihnen nicht gut. Landwirte, die ihren Viehbestand erweitern oder reduzieren wollen, können nun mit Hilfe der Viehworld-App digital agieren und vor allem viel Zeit sparen.

Landwirtschaft goes digital mit Viehworld

Die Landwirtschaft lebt auch vom Kaufen und Verkaufen von Nutztieren. Viehzüchter stehen immer wieder vor der Aufgabe, ihren Tierbestand zu vergrößern oder auch zu reduzieren. Dazu reisen sie zu Auktionen, bei denen die Tiere in großen Hallen präsentiert werden. Anschließend erhalten die Viehzüchter die Möglichkeit, diese Tiere zu ersteigern. Auch Viehmärkte sind eine Möglichkeit, neue Tiere zu kaufen. Für die Tiere bedeutet jede Veranstaltung großen Stress. Denn sie werden verladen und unzähligen neuen Reizen ausgesetzt. Um dies zukünftig zu verhindern, haben Florian Aspalter und Wolfgang Schiessl aus Niederösterreich eine interessante App entwickelt.

Mit der Viehworld-App soll es den Landwirten leicht gemacht werden, Tiere zu kaufen oder zu verkaufen. Innerhalb der Anwendung gibt es die Möglichkeit, Bilder und genaue Beschreibungen der Tiere hochzuladen. So sind für Interessenten alle relevanten Daten klar ersichtlich. Sogar Videos der Tiere können den Beschreibungen zugefügt werden. Auf diese Weise wird es einfach für interessierte Käufer, ihr Gebot zur Ersteigerung des jeweiligen Tieres abzugeben.

Stressfrei kaufen und verkaufen

Diese App bringt vielerlei Nutzen mit sich. Die Landwirte sparen Zeit und ersparen ihren Tieren unnötigen Stress. Für ihre Entwicklung wurden die Gründer von Viehworld bereits ausgezeichnet. Sie zeigen mit ihrer App, dass Digitalisierung die Landwirtschaft deutlich nachhaltiger gestalten kann.

Bildurheber: janecat11

Ensemo impft Saatgut

Noch immer kommen in der Landwirtschaft verschiedenste chemische Wachstumsfördermittel und Dünger zum Einsatz, die unsere Umwelt stark belasten. Das AgriTech-Startup Ensemo aus Niederösterreich hat nun eine Methode entwickelt, die zukünftig die chemischen Mittel ersetzen könnte.

Die Gründer des Startups Ensemo haben es sich zur Aufgabe gemacht, Saatgut so vorzubereiten, dass es ohne chemische Düngemittel auskommt. Langfristig sollen derartige Wachstumsfördermittel durch das Verfahren von Ensemo ersetzt werden.

Wichtiger Beitrag zur Entlastung der Umwelt

Das AgriTech-Startup Ensemo aus Niederösterreich möchte mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dafür wurde eine interessante Methode entwickelt, mit deren Hilfe Saatgut so vorbereitet werden kann, dass zukünftig auf chemische Wachstumsförderer und ebenso umweltschädliche Düngemittel verzichtet werden kann. Es handelt sich dabei um eine Methode, mit der sich nützliche Pilze und Bakterien direkt in das Saatgut impfen lassen.

Die sogenannte SeedJection-Technologie wurde von Ensemo entwickelt und ist in der Lage, einen Mikroorganismus in einem Saatkorn zu platzieren und die Öffnung anschließend wieder zu verkleben. Sobald das Saatkorn keimt, vermehren sich die jeweiligen Mikroorganismen und unterstützen es beim Wachsen. Auf diese Weise kann die Saat bestimmte Stoffe besser aufnehmen, weshalb beispielsweise auf Zugabe schädlicher Stickstoff-Dünger verzichtet werden kann.

Ensemo – ein Unternehmen mit Visionen

Das Startup wurde 2021 gegründet und besteht derzeit aus vier Personen. Es wendet sich mit seiner interessanten Technologie vor allem an Saatgutproduzenten. Geplant ist ein Markteinstieg in ganz Europa ab 2024. Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Team bis Ende des Jahres auf sieben Personen vergrößert werden.

Die entwickelte Technologie ist eigentlich für alle Saatgutarten anwendbar. Allerdings funktioniert dies derzeit nur bis zu einer bestimmten Größe, da die Saat für den Prozess ausreichend fixiert werden muss. Auch die geologischen Gegebenheiten sind bei der Auswahl der jeweiligen Mikroorganismen zu berücksichtigen. Denn die Bakterien und Pilze müssen mit den Bodenbedingungen möglichst gut zurechtkommen.

Bildurheber: belchonock