Der erste Bio-Staat der Welt

Über Umweltschutz wird hierzulande viel diskutiert. Doch wer seinen Blick nach Indien richtet, wird begeistert sein, wie der Umweltschutz dort in einer ganz speziellen Region gelebt wird. Der erste Bio-Staat zeigt, dass eine vollkommen ökologische Landwirtschaft tatsächlich möglich ist.

Landwirtschaft ohne chemische Dünger und Pestizide – das wird bereits im Nordosten Indiens praktiziert und trägt Früchte. Der erste Bio-Staat der Welt lenkt die Blicke der großen Nationen auf sich. Ob diese Art des Anbaus auch für Deutschland eine Alternative sein könnte?

Sikkim – eine Region in Nordostindien als Vorreiter für die ganze Welt

Wie ist es gelungen, in Sikkim absolut ökologische Landwirtschaft zu betreiben? Am Anfang stand ein Beschluss, der besagte, dass in der gesamten Region Sikkim mit mehr Rücksicht auf Natur und Umwelt gewirtschaftet werden soll. Es war geplant, dass in Sikkim ausschließlich Öko-Landwirtschaft betrieben werden sollte. Inzwischen ist dies seit 2016 auch der Fall. In ganz Sikkim verzichten die Bauern auf Kunstdünger und Pestizide. Sie arbeiten nur noch mit organischen Düngemitteln und pflanzlichen Insektenschutzmitteln. Auf Gentechnik wird ebenfalls vollkommen verzichtet. Alle 66.000 ansässigen Bauern arbeiten nach den geltenden Regeln, die den Einsatz der chemischen Mittel verbieten.

Strafen bei Nichtachtung

Die Umstellung in Sikkim erfolgte schrittweise. Natürlich gab es auch bei diesem Projekt Startschwierigkeiten, die sowohl auf Seiten der Landwirte als auch auf Seiten der Kunden auftraten.

Nachdem seit 2016 völlig auf künstliche Düngemittel verzichtet wird, kam es anfangs zu schlechten Ernten, weil den Böden wichtige Nährstoffe fehlten. Der Einsatz der künstlichen Dünger kam trotzdem nicht in Frage, da er empfindliche Geldbußen nach sich zog und immer noch zieht. Als sich die Böden jedoch wieder erholt hatten, stiegen auch die Erträge wieder an.

Problem Kundschaft

Viele Experten raten zu einem grundsätzlichen Umdenken auf beiden Seiten. Rein ökologische Landwirtschaft hat nur dann eine Chance, wenn auch die Kunden bereit sind, ihren Anteil zum Gelingen beizutragen. Sie müssen bereit sein, für ökologisch angebaute Produkte etwas mehr zu bezahlen. Außerdem sehen diese oft nicht ganz so perfekt aus, wie die künstlich gezüchteten Produkte. Manchmal sind sie kleiner, begeistern aber durch einen intensiven Geschmack.

Wahrscheinlich ist es ein Lernprozess, dem sich die Verbraucher stellen müssen, um der ökologischen Landwirtschaft langfristig zum Erfolg zu verhelfen.

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Das weltweite Ernährungssystem: Wie Nachhaltigkeit uns vor dem Supergau bewahren könnte

Wissenschaftler schätzen, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf über 10 Milliarden angewachsen ist. Um all diese Menschen zu ernähren braucht es einen Wandel im Ernährungssystem, denn das heutige droht unter der Last zusammenzubrechen. Klimawandel und Lebensmittelverschwendung tun ihr Übriges dazu bei, dass es bald knapp werden könnte am Esstisch.

Das heutige Ernährungssystem ist nicht gerecht, denn während der eine Teil der Welt im Überfluss lebt und täglich Lebensmittel verschwendet, leiden immer noch viele Menschen unter Hunger und sterben daran. Die Lebensmittelproduktion ist außerdem nicht umweltgerecht, denn in den kommenden Jahrzehnten könnte bis zu einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch einseitige und falsch genutzte Anbauflächen verloren gehen, schätzen Umweltexperten. Dabei brauchen wir die Landwirtschaft, denn die Menschheit wächst immer mehr und benötigt dementsprechend immer mehr Nahrungsmittel. Doch die Produkte, die heute produziert werden gehen oftmals auch einfach verloren, schon bei der Herstellung, auf dem Transportwege oder spätestens in den eigenen vier Wänden. All diese Fakten führen nun dazu, dass das weltweite Ernährungssystem in der Form in der es heute existiert bald nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Die Folge sind wachsender Hunger, Fehlernährung und sterbende Anbauflächen.

Von den großen Veränderungen zu den kleinen

Dabei könnte es durchaus klappen mit der Welternährung, wenn denn die Folgen von einseitiger Landwirtschaft gestoppt werden, neue Ackerflächen erschlossen wären und die Lebensmittel besser genutzt und verteilt würden. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg der vor allen Dingen eines braucht, viel Aufklärung und das natürlich weltweit. Viele Landwirte wissen gar nicht, wie sie bessere Anbaumethoden für ihre Ackerflächen nutzen können. Außerdem müssen Transport und Bezahlung der Arbeiter vor Ort fairer geregelt werden. Die Lebensmittel die dann produziert werden müssen zu einem hohen Prozentsatz auch wirklich in den Geschäften und damit beim Verbraucher ankommen. Und der wiederum darf auch im Kleinen nicht seine Lebensmittel verschwenden, sondern sollte saisonal und organisiert so einkaufen, dass auch alles im Magen und nicht in der Mülltonne landet. Bis das alles funktioniert, ist es noch ein langer und steiniger Weg.

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Aquaponic: Fisch und Gemüse gemeinsam züchten

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Schon vor mehr als 1000 Jahren machten chinesische Reisbauern vor, was heute in Deutschland versucht wird nachzubauen. Plantagen in denen Gemüse und Fisch gemeinsam als Einheit wachsen und groß werden. Die Vorteile dieser Verbindung sind enorm. Doch noch gibt es einige Hürden zu überwinden.

Was klingt wie reine Utopie ist in Wirklichkeit schon ein sehr altes Verbindungs-Konzept zwischen Fauna und Flora. In China hielten die Bauern in ihren Reisfeldern Fische. Die sorgten für gute Lebensbedingungen für den Reis und konnten ihrerseits gut wachsen und dann als Nahrungsquelle genutzt werden. Ein Konzept des Zusammenlebens, was in Deutschland in der Umsetzung allerdings noch einige Mängel zeigt. Dabei hätte das Prinzip des so genannten Aquaponic viele Vorteile in den Städten.

Da die Bevölkerung immer mehr wächst und landwirtschaftliche Nutzflächen dementsprechend schrumpfen, braucht es für die Zukunft eine gute Verbindung von unterschiedlichen Nahrungsquellen auf kleinstem Raum, um den Bedarf weiter zu decken. Mischformen aus Fischzucht und Landwirtschaft sind hier ideal und fristen doch ein Nischendasein. Denn es ist schwierig, beides miteinander zu vereinen. Dafür muss die Verbindung nämlich sehr harmonisch sein und es braucht viel Erfahrung. Ein Grund dafür, warum viele Firmen auf diesem Gebiet bereits gescheitert sind und ihren Betrieb wieder einstellen mussten.

Eine harmonische Verbindung schaffen

Eine die es jetzt richtig machen will ist der Salz- und Düngemittelproduzent K+S aus Kassel. Hier nahm kürzlich ein erster Aquaponic-Forschungscontainer seinen Betrieb auf. Karpfen schwimmen dort, wo nebenan das Gemüse wächst und das aus folgendem Grund: Die Fische bilden gemeinsam eine Aquakultur. Das Gemüse wiederum eine Hydrokultur. Beide Kulturen nutzen denselben Nährstoffkreislauf und verbinden sich über ihn. Konkret bedeutet das, die Ausscheidungen der Fische werden durch Bakterien wieder aufbereitet und dienen dann den Pflanzen als Düngemittel.

Als Dank dafür reinigen die Pflanzen das Wasser für die Fische. Auf diese Weise braucht es weniger Frischwasser und weniger Dünger, um die gleichen Erträge zu erzielen. Ein zusätzliches Plus ist der Raum-Spareffekt für die Landwirtschaft. Doch zunächst müssen die Forscher herausfinden, wann genau eine harmonische Beziehung zwischen Fischen und Pflanzen erreicht ist, damit das Ganze funktioniert.

Lohnt sich Kräuteranbau für Landwirte?

In Deutschland ist die Anbaufläche für Küchen- und Arzneikräuter mit etwa 7000 Hektar im Vergleich zu den Anbauflächen für Gemüse und Obst sehr überschaubar. Kann es sich für Landwirte dennoch lohnen in den Kräuteranbau einzusteigen? Und welcher Aufwand ist dazu nötig.

Kräuter sind sehr sensibel, sie brauchen besondere Bodenverhältnisse, regelmäßigen Niederschlag und viel Pflege. Das macht es für einige Kulturen sogar erforderlich, Handhacken und spezielle Sähmaschinen einzusetzen. Die sind teuer und oft schwer zu bekommen, da der Markt dafür sehr klein ist. Oft müssen Landwirte dann selbst basteln, um die Effizienz der Saat und späteren Ernte zu erhöhen. Auch künstlicher Regen muss da sein, wenn im Jahresdurchschnitt nicht ausreichend Niederschlag fällt, damit die Kräuter auch gut gedeihen und keine Schäden davon tragen.

Kräuteranbau ist aufwendiger als viele denken

All dieser Aufwand macht es notwendig Saisonkräfte einzustellen, die ordentlich mithelfen. Und dann muss vor allem eines stimmen, die Möglichkeiten zur Trocknung der Kräuter, denn diese würden frisch zu schnell eingehen und brauchen deshalb auch nach der Ernte noch eine Spezialbehandlung. Und genau das ist der Hauptgrund, warum so wenige Landwirte Küchen- und Arzneikräuter anbauen. Der Trocknungsort sollte nämlich nicht mehr als 20 bis 40 Kilometer entfernt werden, damit dass ganze Prozedere effizient bleibt. Für viele Landwirte räumlich einfach nicht umzusetzen.

Sich gegen ausländische Konkurrenz durchsetzen

Und wo so viel Ungemach droht, da steht natürlich schon die Konkurrenz aus anderen Ländern vor der Tür und dreht ordentlich an der Preisschraube. Möglich ist das durch die geringeren Lohn- und Transportkosten aus den klassischen Kräuterexport-Ländern. Trotzdem haben hiesige Landwirte weiterhin gute Chancen auf ein einträgliches Geschäft, denn die Nachfrage ist groß und das vor allen Dingen nach biologisch unbedenklichen Kräutern, die nicht mit chemischen Düngemitteln behandelt wurden und so problemlos weiterverarbeitet werden können.

Gute Chancen also für die rund 100 unterschiedlichen Kräuter, die in Deutschland Jahr für Jahr angebaut werden, sofern der Landwirt natürlich gut kalkuliert und sich um jedes einzelne Pflänzchen einzeln kümmert. 🙂

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Mediathek-Tipp – Re: Mehr Geld für Bauern, Fair statt billig

Noch bis zum 30. März ist in der arte Mediathek die Sendung „Re: Mehr Geld für Bauern, Fair statt billig“ abrufbar. Ein Blick auf neue Ansätze einiger Landwirte, die mit kreativen Ideen gegen die finanziellen Nöte ankämpfen. Etwa wie eine französische Initiative, die auf ihrer Webseite über die Milchpreise abstimmen lässt.

Andere Initiativen haben es sich zum Ziel gesetzt Erzeuger und Verbraucher zusammenzubringen. Wie etwa das Projekt „Solidarische Landwirtschaft“, dem deutschlandweit schon 130 Höfe angeschlossen sind. Sie ermöglichen es Städten zumindest teilweise selbst zu Landwirten zu werden und ihre Kartoffeln sprichwörtlich im Schweiße ihres Angesichts zu ernten.

Das sind nur zwei der in der arte-Dokumentation vorgestellten Ideen, wie man Landwirtschaft neu denken kann. Hier finden Sie die Sendung: Re: Mehr Geld für Bauern, Fair statt billig (verfügbar bis zum 30. März 2018)

Eier-Automaten: ökologische & glaubwürdige Perspektive für Landwirte

Dieser Eierautomat steht direkt am Autobahn-Zubringer Weibersbrunn und erfreut sich großer Beliebtheit.

Landwirte machen sich durch Hofläden und Co. wieder unabhängiger. Mit einem Eierautomaten, der gut positioniert ist und rund um die Uhr frische Waren vom Bauernhof anbietet, wird vielerorts eine lukrative Alternative zur Discounter-Theke geschaffen.

Selbstvermarkter müssen kreativ sein. Zu verlockend sind die Supermärkte mit ihren bestens sortierten Regionaltheken. Schön im Warmen, mit farbigen Displays und Probierständen zwischen Metzger, Bäcker und einer Riesenauswahl an Waren werben die Märkte um die Geldbeutel der Kunden. Landwirte profitieren zwar davon, merken aber zunehmend, dass der so aufgebaute Point of Sale die eigentliche Vertriebskraft ausspielt und langfristige Bindung schafft.

Automat für alle möglichen landwirtschaftlichen Erzeugnisse geeignet

Eierautomaten klingen zwar nach Ei pur, können aber meist mehr verkaufen als nur die beliebten Proteinbomben vom Huhn. Durch eine sanfte Warenausgabe wie man sie von Snickers- und Brötchen-Schiebern an Bahnhöfen kennt, kann alles was reinpasst vertrieben werden.

Mehr als nur Eier im Angebot.

Der smarte Trommelmechanismus dreht nach Zahlung den Schlitten und schiebt das Wunschprodukt nach vorne zum Ausgabe-Schlitz. Bei einem Sortimentswechsel ist somit problemlos. Was in das Warenfach passt, kann auch verkauft werden. Solche Automaten liegen unserer Recherche zufolge bei um die 4000 Euro (ohne Gewähr). Es gibt viele Beispiele und auch durchaus unterschiedliche Arten der entsprechenden Automaten:

In Österreich gibt es sogar eine ganze Batterie Meldungen zu den praktischen Automaten: