So funktioniert Finanzierung in der Landwirtschaft heute

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe sind darauf angewiesen, Formen der Finanzierung in Anspruch zu nehmen. Dabei wächst das Interesse an Alternativen zu den herkömmlichen Finanzierungsmodellen.

Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb sein Eigen nennt, weiß genau, wie schwer es sein kann, ausreichende Reserven zu erwirtschaften. Oft kommen die Landwirte nicht umhin, bei ihren Banken eine Finanzierung zu beantragen, speziell dann, wenn es um Expansion oder Investitionen geht. Dabei gibt es einige interessante Alternativen zum Bankkredit.

Unterstützung für Landwirte

Das Online-Portal biofinanz.info hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirte über alternative Möglichkeiten zur Finanzierung zu informieren. Die Benutzung der Plattform ist kinderleicht. Der Landwirt gibt seine Wünsche so genau wie möglich ein und erhält einige Vorschläge von interessanten Methoden, mit denen er seine Vorstellungen umsetzen könnte. Es wird differenziert zwischen langfristigen und kurzfristigen Finanzierungsformen. Außerdem spielt natürlich die Höhe des benötigten Darlehens eine wichtige Rolle. Es werden mehrere Finanzierungsformen vorgestellt, die mit all ihren Stärken und Schwächen genau analysiert werden. Selbstverständlich ersetzt das Online-Portal eine professionelle Finanzberatung kaum, liefert aber jede Menge Input und tolle Ideen, um die gesetzten Ziele zu erreichen.

So kann eine besondere Art der Finanzierung mit Hilfe von Tierleasing umgesetzt werden. Allerdings hilft diese Form nur kleineren Betrieben weiter, die nicht innerhalb von kurzer Zeit auf einen größeren Betrag angewiesen sind. Die Bildung von Genossenschaften oder Aktiengesellschaften wird schon seit vielen Jahren als Form der Finanzierung genutzt. Hierbei werden finanzkräftige Partner gesucht, die dem Betrieb durch Investitionen unter die Arme greifen, dafür aber an den Gewinnen beteiligt werden. Eine ganz andere Möglichkeit ist das Crowdfunding. Auf einer eigens dafür vorgesehenen Plattform können die Landwirte ihr Projekt vorstellen und Interessierte gewinnen, die sich mit kleinen Beträgen an dessen Umsetzung beteiligen. Dafür erhalten sie kleine Aufmerksamkeiten als Dankeschön.

Bildurheber: achirathep / 123RF Standard-Bild

Ist Bio-Landwirtschaft schädlich für das Klima?

Überall häuft sich die Forderung nach Biolandwirtschaft und auch hierzulande steigen mehr und mehr Bauern auf ökologischen Anbau um. Das lohnt sich, nicht nur für das Klima, sondern auch für den Geldbeutel. Trotzdem wäre ausschließlicher Bio-Anbau schädlich, meinen englische Forscher.

In England und Wales haben Forscher untersucht, wie gut Bio-Landwirtschaft tatsächlich für die Umwelt ist. Und dabei kamen sie zu einem erstaunlichen Ergebnis. Zwar sei Bio-Landwirtschaft für die Böden wesentlich besser als normale Landwirtschaft, allerdings mit Einschränkungen. Auf diese Weise könnte nämlich weniger angebaut werden, das was da ist muss aber für alle Menschen reichen. Die eingesparten Treibhausgase müssten also umgerechnet werden und zwar auf die Einfuhr von frischen Lebensmitteln aus den Ländern, die nicht auf Bio-Landwirtschaft setzen. Lange Transportwege und der umweltschädlichere Anbau in anderen Exportländern wäre dementsprechend kein Gewinn für den Umweltschutz. Somit würde sich der Nutzen für das Klima quasi relativieren, ja sogar im schlimmsten Fall umkehren.

Nach Umweltschutz bald ein Ernährungsproblem?

Ein Problem was sich höchstens durch zwei Szenarien ändern ließe. Zum Einen müssten die Verbraucher viel weniger Fleisch konsumieren. Somit wäre mehr Anbaufläche frei, auf der dann statt Tierfutter anderes Getreide und Gemüse angebaut werden könnten. Dieses Verhalten würde eine Umstellung auf reinen Biolandbau vielleicht sogar möglich machen. Zum Anderen müsste sich der Konsument aber auch grundsätzlich darauf einstellen, gezielter einzukaufen und die wertvoll angebauten Lebensmittel auch wirklich zu verbrauchen. Landet weniger auf dem Müll, bleibt unterm Strich auch mehr übrig. In dieser Rechnung käme es auf jeden Einzelnen an. Deshalb schon allein käme es derzeit kaum in Frage, sämtliche landwirtschaftliche Betriebe entsprechend umzurüsten und ausschließlich auf Bio-Anbau zu setzen. Zu groß sei dabei die Gefahr, die Bevölkerung nicht ausreichend ernähren zu können.

Trotzdem, so die Forscher die an der Modellstudie beteiligt sind, kann es nützlich sein, zumindest einen großen Bereich der heutigen Ackerflächen für nachhaltigen Anbau zu nutzen, dadurch die Böden zu entlasten und einen möglichst hohen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Bildurheber: pingpao / 123RF Standard-Bild

Bio boomt auch weiterhin

Bio-Produkte nehmen einen wachsenden Raum in den Supermarktregalen ein und nicht nur da, auch immer mehr Restaurants entscheiden sich bewusst für saisonale und regionale Bioküche. Von den Produzenten ist hier ein Umdenken gefragt, denn der Markt wächst stetig und bietet großes Potenzial.

33.700 Betriebe bewirtschafteten im Jahr 2019 eine Gesamtfläche von 1,62 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland. Schätzungen zufolge lag dabei die Fläche für Bio-Ackerland bei etwa 40 Prozent. Tendenz steigend. Um sich besser zu organisieren, schlossen sich die Hälfte der Bio-Betriebe zu einem Verband zusammen. Dabei machten sie unterm Schnitt einen größeren Flächenanteil aus als die Betriebe, die nach EU-Richtlinien wirtschafteten. Nach wie vor wechseln immer mehr Betriebe zur Bio-Produktion. Die ist zwar strengen Regeln unterworfen und somit deutlich aufwendiger als in der normalen Landwirtschaft, allerdings fallen die Gewinnmargen höher aus und somit ist das Geschäft lohnenswerter. Ein schöner Pluspunkt, wenn nicht ausschließlich Umweltaspekte bei der Landwirtschaft eine Rolle spielen sollen.

Immer mehr Bauern machen Bio

Die Zeichen stehen also auf Bio. Allein für das Jahr 2019 hieß das, dass fünf Betriebe im Durchschnitt einen Wechsel vollzogen haben weg von der normalen hin zu biologischer Landwirtschaft. Diese Zahlen gehen aus einer Erhebung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (kurz AMI) hervor. Und der Handel trägt diesen Zahlen Rechnung, denn die Nachfrage nach Bio-Produkten in den Regalen steigt und steigt. So besteht das Segment Obst- und Gemüse in gängigen Supermarktketten schon jetzt etwa zur Hälfte aus Bio-Produkten. Meist noch als Alternative zu den herkömmlichen Angeboten die oft weitere Wege zurücklegen, ehe sie im Einkaufswagen landen dürfen. Das gilt insbesondere für Tropenfrüchte oder nicht saisonales heimisches Obst und Gemüse. Deshalb sollten saisonale und regionale Produkte stets bei der Auswahl des Einkaufs im Vordergrund stehen für den Vebraucher.

Bildurheber: dolgachov / 123RF Standard-Bild

Glückliche Kühe – ein Garten im Stall

Ein Kuhgarten scheint im ersten Moment eine irrwitzige Idee zu sein. Wer aber die Vorteile daraus genauer betrachtet, wird schon bald von dem Erfolg dieses Konzeptes überzeugt sein. Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG plant den ersten Kuhgartenstall schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen.

Um Kühe dazu zu animieren, noch mehr Milch zu geben, müssen hervorragende Bedingungen für die Tiere geschaffen werden. Ein erster Kuhgartenstall soll das Wohlbefinden der Kühe der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG deutlich verbessern.

Der Kuhgartenstall als Wellnessoase für die Tiere

Seit 2015 ist der Kuhgarten bekannt. Damals wurde ein erster Kuhgartenstall von dem niederländischen Bio-Milcherzeuger Chris Bomers errichtet. Er folgte seiner Vision vom glücklichen Milchvieh und setzte diese mit einem Kuhgarten im Stall um. Auch in dem kleinen Ort Kleincarsdorf soll ein ähnliches Projekt entstehen. Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG ist bereit, etwa sechs Millionen Euro in den Bau eines Kuhgarten-Stalls zu investieren. Dort ist man überzeugt davon, dass sich dieses Konzept langfristig auszahlen wird. Denn nur glückliche Kühe leben gesünder und damit länger. Natürlich wird auch eine Steigerung der Milchproduktion erwartet.

Das Konzept sieht einen zweiteiligen Stall vor, in dem jede Kuh zwischen acht und zwölf Quadratmetern Platz hat. Es wird einen Garten und einen konventionellen Teil geben. Der Gartenbereich soll so gestaltet werden, dass er einer Weide nachempfunden wird. Es wird Bäume, Sträucher und Gräser geben. Auch der Boden soll dem natürlichen Boden auf der Weide ähneln. Dabei wird ein Kunststoffgemisch verwendet, das Urin schnell absickern lässt, sodass er einfach aufgefangen werden kann. Mit Hilfe kleiner Roboter soll das Ausmisten erledigt werden.

Selbst das Melken wird von Robotern übernommen. Die Kühe können jederzeit den Melkroboter aufsuchen, um ihre Milch abzugeben. Feste Zeiten gehören damit der Vergangenheit an. Damit sinkt der normale Stress, was sich positiv auf die Milchproduktion auswirken wird. Da auch die Lebensdauer ansteigt, können mehr Kälber zur Welt kommen, was wiederum den Ertrag steigert.

Bildurheber: dolgachov / 123RF Standard-Bild

Landwirtschaft ohne Boden – ein Hof macht´s vor

Vertikale Pflanzregale sind bereits an vielen Orten anzutreffen. Aber eine vollständige Landwirtschaft, die nach dem Regalprinzip aufgebaut ist, ist etwas Neues. Ein italienischer Hof arbeitet ohne Boden und stellt Nachhaltigkeit und den sparsamen Umgang mit Ressourcen in den Mittelpunkt des Handelns.

Eine Landwirtschaft, die ohne Boden funktioniert, scheint auf den ersten Blick utopisch. Und doch arbeitet ein italienischer Hof nach dem Prinzip. Sämtliche Anbauflächen befinden sich in einer Art Regalsystem.

Im Sinne der Umwelt – nachhaltig und Ressourcen sparend

Ein Hof in Italien hat eine Möglichkeit gefunden, den eigenen Wunsch nach einer nachhaltigen Landwirtschaft auf eine ganz besondere Weise umzusetzen. In großen Hallen, die mit Regalsystemen ausgestattet sind, wird ganzjährig Basilikum angebaut. Normalerweise wächst das beliebte Küchenkraut nur zu einer bestimmten Jahreszeit. Aber durch das unabhängige Anbausystem ist ein ganzjähriger Anbau möglich.

Das gesamte System ist in vier Ebenen gegliedert. Eine durchdachte Konstruktion stützt die verschiedenen Ebenen. Mit Hilfe eines LED-Beleuchtungssystems erhalten die Pflanzen ausreichend Licht. Die Entscheidung für LED-Beleuchtung wurde bewusst getroffen, weil diese deutlich stromsparender arbeitet als eine herkömmliche Glühlampenbeleuchtung. Um die Pflanzen optimal zu versorgen, wird hier auf rotes und blaues Licht gesetzt. Zum Pflanzen werden Paletten verwendet, die die Wurzeln frei nach unten wachsen lassen. Unter den Paletten befindet sich die Bewässerung. Sind die Pflanzen ausgewachsen, erfolgt die direkte Weiterverarbeitung auf dem Hof.

Mit diesem neuartigen Landwirtschaftsprinzip könnte ein neuer Trend geschaffen werden. Es ist durchaus vorstellbar, dass weitere Betriebe das Potenzial dieser Idee auch für sich entdecken.

Bildurheber: deyangeorgiev / 123RF Standard-Bild

Landwirtschaft stellt Eckpunkte für mehr Artenschutz auf

Artenschutz kann nicht ausschließlich auf dem Rücken der Landwirtschaft praktiziert werden. Um dennoch einen wirkungsvollen Beitrag zu leisten, haben landwirtschaftliche Verbände in Baden-Württemberg Eckpunkte für mehr Artenschutz aufgestellt.

Die Landwirtschaft ist bereit, in vielen Punkten umzudenken, um den Artenschutz aktiv zu unterstützen. Ein entsprechendes Dokument mit verschiedenen Eckpunkten wurde erstellt und vorgelegt.

Maßnahmen für mehr Artenschutz

Umweltschützer fordern rigorose Veränderungen in der Landwirtschaft, um das Artensterben zu beenden. Aber jegliche Verantwortung auf die Landwirte abzuwälzen, ist der falsche Weg. Die massiven Forderungen nach unzähligen Auflagen könnten nur von den wenigsten landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt werden, sodass viele von ihnen aufgeben müssten. Infolgedessen käme es zu verminderter Nahrungsmittelproduktion, die wiederum mit Importen ausgeglichen werden müsste. Importierte landwirtschaftliche Güter könnten unter Einsatz von in Deutschland verbotenen Pflanzenschutzmitteln produziert werden, was schlimmstenfalls gesundheitliche Auswirkungen auf unsere Bevölkerung hätte. Deshalb sollten realistische Maßnahmen beschlossen werden, um den Landwirten in unserem Land eine Chance zum Umdenken und Handeln zu geben.

Zehn landwirtschaftliche Verbände haben nun in Baden-Württemberg einige Eckpunkte für mehr Artenschutz aufgestellt. Dabei handelt es sich um Punkte, die von den Landwirten der Region nach und nach umgesetzt werden sollen, um das Artensterben langfristig einzudämmen und zu verhindern. Realistische Ziele sollen langfristig für den entsprechenden Effekt sorgen.

Bis 2030 soll der Anteil der Ökolandbau-Fläche bei 30 Prozent liegen. Um dies umzusetzen, sind Absatzsicherheit und stabile Preise wichtige Grundvoraussetzungen. Damit die Umstellung erfolgreich für die Landwirte verlaufen kann, müssen auch entsprechende Marketingmaßnahmen ergriffen werden. Bio-Produkte aus der Region müssen viel stärker beworben werden. Außerdem sehen die ausgearbeiteten Eckpunkte auch eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln vor. Dazu müssen wirkungsvolle und ökonomische Alternativen angeboten werden.

Die definierten Eckpunkte der Weinsberger Runde sollen die Politik veranlassen, gemeinsam nach Lösungen für die Probleme zu suchen. Es kann nicht alles auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden. Gleichzeitig müssten finanzielle Unterstützungen und Hilfe bei der Umsetzung der geforderten Maßnahmen angeboten werden. Das von Tierschützern geforderte Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hatte den Landwirten in Baden-Württemberg vor kurzem große Sorgen bereitet. Darin wurden Maßnahmen zur Umstellung der Landwirtschaftsbetriebe gefordert, die von vielen Familienbetrieben nicht umgesetzt werden können.

Bildurheber: onuchcha / 123RF Standard-Bild

Streit in der Agrarpolitik

Wenn Politiker und Landwirte aufeinander treffen, sind Reibereien vorprogrammiert. Aktuell demonstrieren viele Landwirte gegen Forderungen aus dem politischen Lager. Diese seien schlichtweg utopisch und kaum umsetzbar behauptet die eine Seite, während die andere auf ihrer Meinung beharrt.

Dass die Sicht von Landwirten und Politikern nicht in eine Richtung geht, ist nichts Neues. Aber dass ein grundlegender Wandel in der Landwirtschaft notwendig ist, sollte beiden Seiten klar sein. Allerdings geht dies nicht ohne Zugeständnisse aus beiden Lagern.

Landwirte als Sündenböcke?

Politiker verschiedener Parteien fordern grundlegende Änderungen in der Landwirtschaft. Diese sollten weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, um im Sinne der Umwelt zu handeln. Die gesamte Agrarpolitik müsse umgestellt werden und auf ein nachhaltiges Konzept ausgerichtet sein. Nur so lassen sich weitere Schäden für die Umwelt verhindern. Für die Landwirte sind diese Forderungen nicht so einfach umzusetzen. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, werden sie doch immer wieder als große Umweltsünder dargestellt.

Kaum jemand sieht deren Seite. Eine Umstellung auf nachhaltige Bewirtschaftung der Ackerflächen ist mit Ertragseinbußen und daraus folgenden finanziellen Verlusten verbunden. Ein finanzieller Ausgleich müsste von Bund und Ländern bereitgestellt werden, um nachhaltige Veränderungen zu schaffen. Bislang reichen die wenigen Fördermittel nicht aus, um eine vollständige Umstellung zu erzielen.

Landwirte appellieren auch an die Verbraucher

Mit der Aktion der grünen Kreuze demonstrieren viele Landwirte schweigend. Sie wollen auf ihre Situation aufmerksam machen, ohne mit rabiaten Methoden vorzugehen. Zahlreiche grüne Kreuze, die überall aufgestellt wurden, zeigen bereits, dass sie sich mit dem Umweltgedanken auseinandersetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen wollen. Sie appellieren gleichzeitig an die Verbraucher und fordern sie dazu auf, mehr regionale Produkte zu kaufen und auf Bio-Produkte zu setzen, anstatt günstig beim Discounter landwirtschaftliche Produkte zu erwerben. Einfache Maßnahmen können langfristig eine Umstellung der Landwirtschaft möglich machen.

Bildurheber: kohy81 / 123RF Standard-Bild

Fachmesse für ökologischen Landbau

In Offenburg soll es schon bald eine neue Fachmesse geben. Die „BioAgrar“ soll das Thema „Ökologische Landwirtschaft“ in all seinen Facetten behandeln und gleichzeitig zur Umstellung anregen. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Landwirten soll eine hilfreiche Unterstützung werden.

Im Oktober 2020 soll die neue Fachmesse „BioAgrar“ erstmals ihre Pforten in Offenburg öffnen. Die Messe wird sich vor allem um ökologische Landwirtschaft kümmern und Landwirte, Wissenschaftler, Verbraucher, Vertreiber und Förderer zusammenbringen.

Eine neue Fachmesse mit viel Potenzial

Das Messegelände in Offenburg soll im Oktober 2020 erstmals die „BioAgrar“ präsentieren. Dabei handelt es sich um eine Fachmesse, die sich vor allem mit ökologischer Landwirtschaft auseinandersetzt. Das Projektteam hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirte, die bereits ökologisch arbeiten, mit interessierten Landwirten zusammenzubringen. So können Erfahrungen ausgetauscht und Hilfestellungen für die Umstellung gegeben werden. Da das Messegelände auch über moderne Seminarräume verfügt, werden während der „BioAgrar“ auch Fachveranstaltungen stattfinden.

Da die Bedeutung der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft immer mehr wächst, ist die Fachmesse eine willkommene, neue Plattform zum Erfahrungsaustausch und zum Knüpfen wertvoller Kontakte. Hier werden ab dem kommenden Jahr Landwirte, Verbraucher, Vertreiber, Berater und auch Wissenschaftler und Förderer aufeinandertreffen.

Interessante Zahlen

Die Zahlen der Bundesagrarministerin belegen deutlich, dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe umstellen. In 2018 wuchs die ökologisch bewirtschaftete Fläche auf 1,5 Millionen Hektar an. Allein in 2018 kamen 150.000 Hektar hinzu. Inzwischen gibt es 32.000 ökologische Landwirtschaftsbetriebe, Tendenz steigend. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die EU einige Fördermittel gewährt. Aber auch die wachsende Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Produkten trägt dazu bei, dass immer mehr Landwirte eine Umstellung erwägen.

Bildurheber: yuragolub / 123RF Standard-Bild

Der Welt Klimarat fordert mehr ökologische Landwirtschaft

Der Welt Klimarat IPCC hat sich intensiv mit den stetig wachsenden Zahlen der Weltbevölkerung auseinandergesetzt. Ein Umdenken in der gesamten Landwirtschaft ist zwingend notwendig, um diese langfristig ausreichend zu ernähren und gleichzeitig dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Die CO2-Belastung in der Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema derzeit im Welt Klimarat IPCC. Diese muss dringend eingeschränkt werden, um das Klima zu erhalten. Auch in Bezug auf die Lebensmittelverschwendung fordert der Welt Klimarat ein rigoroses Umdenken. Nur so wird die Weltbevölkerung langfristig ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt werden können.

Umdenken zwingend erforderlich

Der Welt Klimarat IPCC hat in seinem Sonderbericht „Klimawandel und Landsysteme“ vor allem die Landwirtschaft gründlich unter die Lupe genommen. Themen wie die vermehrte Wüstenbildung, Landdegradierungen, Ernährungssicherheit, Treibhausgasflüsse in Ökosystemen und nachhaltiges Landmanagement standen dabei im Mittelpunkt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Dürreperioden in den kommenden Jahrzehnten deutlich verlängern werden. Stärkere Hitzewellen und extreme Regenfälle kommen hinzu.

Umso wichtiger wird ein aktives Handeln, um dem Klimawandel in dieser extremen Form Einhalt zu gebieten. Vor allem Wälder und Moore sollten besser geschützt werden.

Ernährungsgewohnheiten umstellen

Die Bevölkerung sollte dem Welt Klimarat zufolge unbedingt die eigenen Ernährungsgewohnheiten umstellen und vermehrt auf pflanzliche und nachhaltige tierische Produkte setzen. Ein solches Umdenken könnte bis 2050 die Renaturierung von mehreren Millionen Quadratkilometern Land bewirken. Dennoch bleibt das Problem der fehlenden Anbauflächen. Da die Weltbevölkerung immer weiter anwächst, wird es schwieriger, genügend Anbauflächen zu finden. Dadurch könnte die Versorgung mit Nahrungsmitteln instabil werden.

Im Welt Klimarat arbeiten Wissenschaftler aus 195 Ländern gemeinsam daran, die aktuelle Situation zu untersuchen und die Ergebnisse mit Lösungsvorschlägen an die Politik zu übermitteln.

Bildurheber: rh2010 / 123RF Standard-Bild

Wildkräuter in der heimischen Landwirtschaft

Um Ackerwildkräuter nicht völlig verschwinden zu lassen, unterstützt ein Projekt die Landwirte dabei, sich auf alte Anbaumethoden zurückzubesinnen. Ein Förderprogramm stellt entsprechende Mittel bereit, um den Landwirten bei der Umstellung ihrer Anbauflächen finanziell unter die Arme zu greifen.

Etwa 150 Landwirte beteiligen sich bereits in der Rhön an der Rückgewinnung der Ackerwildkräuter. Diese waren in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen und schon beinahe vollständig verschwunden. Mit Hilfe gezielter Maßnahmen soll deren Wachstum wieder gefördert werden.

Umstellung der Anbauflächen – ein langwieriger, aber erfolgreicher Prozess

Gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat die Untere Umweltbehörde ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das den Ackerwildkräutern wieder eine Chance geben soll. Auf verschiedenen Flächen sollen Landwirte extensiv bewirtschaften. Dabei verzichten sie auf den Anbau von Mais und Zuckerrüben, sogenannten Intensivkulturen. Aber Klee-Gras und Luzerne, die als Dauerkulturen bekannt sind, dürfen auf diesen Flächen nicht mehr angebaut werden. Viele Ackerwildkräuter sind Kaltkeimer. Deshalb sollten Landwirte, die an dem Förderprogramm teilnehmen, mindestens zweimal in fünf Jahren einen Winteranbau vornehmen. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, Düngung und Untersaat ist ebenfalls wichtiger Bestandteil der Maßnahmen zur Rettung der Ackerwildkräuter.

Um den Kräutern genug Platz zur Verfügung zu stellen, wird auf den jeweiligen Anbauflächen in doppeltem Reihenabstand ausgesät. Natürlich reduziert sich dadurch der Ernteertrag der Landwirte. Durch das Förderprogramm erhalten sie dafür einen Ausgleich in Höhe von 420 Euro pro Hektar. Für die Landwirte gibt es aber auch Vorteile, die nicht zu unterschätzen sind. Es entsteht keine Mehrarbeit. Dafür entfallen Spritzen und Düngen, sowie die Ausgaben für die Beschaffung entsprechender Mittel. Die Rückbesinnung auf die traditionelle Landwirtschaft kommt der Natur zugute.

Probleme bei der Umstellung

Nicht immer verläuft die Umstellung der Anbauflächen problemlos. Es kann durchaus passieren, dass der Ackerfuchsschwanz vermehrt auftritt. Dieser zählt zu den sogenannten Problemwildkräutern. Aber in den meisten Fällen erledigt sich dieses Problem innerhalb kurzer Zeit von selbst, nachdem sich der Nährstoffgehalt im Boden wieder normalisiert hat.

Das Förderprogramm für Landwirte hilft dabei, die bedrohten Arten zu retten. Diese müssen nicht extra ausgesät werden, denn die Saat befindet sich schon im Boden. Sie müssen nur Raum bekommen, um zu wachsen. Die Ackerwildkräuter sind wichtig für Insekten und andere Arten. Außerdem sind viele von ihnen auch für den Verzehr geeignet.

Bildurheber: paulgrecaud / 123RF Standard-Bild